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Suzana Rakun Gesamtverband der Personaldienstleister e.V. (GVP) stv. Leiterin Fachbereich Bildung | Personalentwicklung
Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften und Japanologie sowie einem studienbegleitenden Auslandsjahr in Japan arbeitete sie unter anderem bei der Berliner Krebsgesellschaft e.V. und der Stiftung kulturserver.de.Seit 2018 gehört sie dem Verband an und hat dort verschiedene Themen und Projekte im Bildungsbereich bearbeitet. Heute ist sie stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Bildung und begleitet insbesondere den Aufbau und die strategische Weiterentwicklung des Verbandsbereichs Personalentwicklung.
Telefon: +49 30 206098-5614E-Mail
Dr. Christoph Kahlenberg, stellvertretender Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalentwicklung (VBPE) und Manager Randstad Akademie & Arbeitsmarktprojekte, gibt im Interview Einblicke in aktuelle Herausforderungen der Branche, zeigt die Rolle der Personalentwicklung im Alltag von Personaldienstleistern auf und erläutert, wie sich daraus – unabhängig von der Unternehmensgröße – neue Perspektiven und ein eigenständiges Geschäftsfeld entwickeln können.
Herr Dr. Kahlenberg, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit Personalentwicklung. Was treibt Sie persönlich an diesem Thema an?
Dr. Christoph Kahlenberg: Mich treibt vor allem die Frage an, wie wir als Branche langfristig erfolgreich bleiben können. Zeitarbeit und Vermittlung sind und bleiben unsere Kernthemen – doch sie allein werden nicht ausreichen, um als Personaldienstleister in der Zukunft erfolgreich zu sein. Zudem eröffnet uns die Personalentwicklung die Möglichkeit, Menschen gezielt weiterzuentwickeln, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu stärken und so den künftigen Fachkräftebedarf zu decken. Damit helfen wir, sowohl für unsere Mitarbeitenden als auch für unsere Kunden passgenaue Lösungen anzubieten. Sich hier klar zu positionieren, ist aus meiner Sicht eine der zentralen Zukunftsfragen unserer Branche.
Viele Personaldienstleister stehen vor der Herausforderung, dass die Qualifikationen verfügbarer Kandidaten nicht immer zu den Anforderungen der Kunden passen. Welche Rolle spielt Personalentwicklung in diesem Zusammenhang?
Dr. Christoph Kahlenberg: In der Praxis zeigt sich häufig, dass vorhandene Bewerberprofile nicht unmittelbar zu den Anforderungen der Kundenunternehmen passen. Gleichzeitig haben wir es auf beiden Seiten mit einer steigenden Erwartungshaltung zu tun – sowohl bei den Kunden als auch bei den Mitarbeitenden und den Personen, die sich bei uns bewerben.
Genau hier setzt Personalentwicklung an: Sie hilft, beide Erwartungshaltungen zusammenzubringen. Dies geschieht etwa durch Upskilling oder Anpassungsqualifizierungen. Das macht Mitarbeitende schneller einsetzbar und reduziert Fehlbesetzungen. Dies wiederum wirkt sich positiv auf die Stabilität der Beschäftigung in unserer Branche aus, was sich natürlich dann auch wirtschaftlich bemerkbar macht.
Personalentwicklung wird häufig mit großen Programmen oder eigenen Akademien verbunden. Wie lässt sich Personalentwicklung im Alltag von Personaldienstleistern beschreiben?
Dr. Christoph Kahlenberg: Personalentwicklung beginnt gerade in unserer Branche oft viel früher, als man denkt – nämlich schon im Arbeitsalltag durch die Einsatzwechseltätigkeit. Das Sammeln von Erfahrungen an unterschiedlichen Arbeitsplätzen in verschiedenen Arbeitsbereichen verschiedener Branchen bildet bereits eine feste Grundlage, auf der qualifikatorische Weiterentwicklung aufbauen kann. Aber auch Coaching und Mentoring, zum Beispiel in Form von regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, sind Formen von gelebter Personalentwicklung. Entscheidend ist, ob diese Maßnahmen bewusst gestaltet und systematisch weiterentwickelt werden. Dann entsteht daraus ein klarer Mehrwert – für die Mitarbeitenden, für das Kundenunternehmen, in dem der Mitarbeitende eingesetzt ist, und für uns als Personaldienstleister.
Warum wird Personalentwicklung in vielen Unternehmen dennoch häufig als zusätzliche Aufgabe wahrgenommen – und nicht als Chance?
Dr. Christoph Kahlenberg: Das liegt vor allem daran, dass der Fokus lange auf dem klassischen Kerngeschäft lag. Personalentwicklung wurde deshalb oft als zusätzlicher Aufwand betrachtet – zumal ihr Nutzen nicht immer sofort sichtbar ist. Dabei wirkt sie auf mehreren Ebenen zugleich: Wie bereits geschildert, verbessert sie die Einsatzfähigkeit, stärkt die Motivation der Mitarbeitenden und erhöht die Qualität für den Kunden – und ist damit auch entscheidend, um darüber hinaus wirtschaftlich für alle Beteiligten erfolgreich zu sein.
Der wirtschaftliche Nutzen kann sich dabei auf unterschiedliche Art und Weise zeigen: Mitarbeitende, die die Anforderungen am Arbeitsplatz erfüllen, können mehr verdienen und folglich von uns zu einem höheren Verrechnungssatz eingesetzt werden. Die Einsätze werden insgesamt stabiler. Das stärkt die Bindung zu den Mitarbeitenden, wodurch sich Kosten für Neueinstellungen reduzieren.
Was verändert sich, wenn Personalentwicklung bewusst gedacht wird – auch als eigenständiges Geschäftsfeld?
Dr. Christoph Kahlenberg: Wenn Personalentwicklung bewusst gedacht wird, verändert sich der Blick auf die eigene Rolle grundlegend. Es geht dann nicht mehr nur darum, Einsätze zu besetzen, sondern Menschen gezielt weiterzuentwickeln – persönlich und beruflich. Das schafft Perspektiven, stärkt die Bindung und erhöht die Qualität im Einsatz. Zugleich entsteht daraus ein wirtschaftlicher Mehrwert für alle Beteiligten – zum Beispiel durch höhere Löhne, bessere Verrechnungssätze, stabilere Einsätze und eine geringere Fluktuation. Menschliche Entwicklung und unternehmerischer Erfolg gehen hier Hand in Hand. Denn: Zukunft entsteht durch Personalentwicklung.
Randstad ist als großes Unternehmen breit aufgestellt. Welche Ansätze sind aus Ihrer Sicht auch für kleinere Unternehmen übertragbar?
Dr. Christoph Kahlenberg: Mir ist es sehr wichtig zu betonen, dass, wenn wir als Branche insgesamt von der Personalentwicklung profitieren möchten, dies keineswegs nur eine Sache der größeren Unternehmen sein darf. Und das ist es glücklicherweise auch nicht. Schon heute haben viele kleinere und mittelgroße Personaldienstleister das Thema der Weiterentwicklung ihrer Beschäftigten mit auf der Agenda.
Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Die gute Nachricht ist: Die Grundidee der Personalentwicklung ist sehr gut übertragbar. Es geht darum, Bedarfe frühzeitig zu erkennen und gezielt darauf zu reagieren – sei es durch passende Qualifizierungen oder strukturierte Lernschritte. Dafür braucht es auch keine eigene Akademie. Es gibt viele Bildungsträger, die mit den speziellen Anforderungen unserer Branche vertraut sind und mit denen auch wir als Randstad seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeiten – ergänzend zu dem, was wir hier als Randstad Akademie anbieten.
Hier kann ich nur appellieren, auf die zum Teil ja auch regional sehr gut aufgestellte Bildungsträgerlandschaft zuzugehen und nach Partnern zu suchen.
Viele kleinere Unternehmen sehen begrenzte Ressourcen als Herausforderung. Welche Möglichkeiten bestehen aus Ihrer Sicht, dennoch in das Thema Personalentwicklung einzusteigen?
Dr. Christoph Kahlenberg: Das knüpft unmittelbar an das an, was ich eben ausgeführt habe. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Einstieg zu erleichtern. Unternehmen müssen diesen Weg keineswegs allein gehen. Qualifizierungsverbünde mit Kundenunternehmen, Bildungsträgern und gegebenenfalls auch anderen Personaldienstleistern, Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit zum Beispiel, wenn es um Teilqualifizierungen oder Umschulungen geht, bieten viele gute Ansatzpunkte. Und wie gesagt, dafür braucht es keine eigene Akademie. Bestehende Angebote von Bildungsträgern können direkt genutzt werden.
Wichtig ist auch: Es geht nicht darum, gleich groß einzusteigen. Oft reichen auch kleine Schritte, die häufig zu spürbarer Entlastung führen, weil Einsätze besser passen und stabiler verlaufen.
Wo können Unternehmen konkret ansetzen, wenn sie erste Schritte in der Personalentwicklung gehen möchten?
Dr. Christoph Kahlenberg: Ein guter Ausgangspunkt ist das Onboarding – denn schon hier beginnt Personalentwicklung im Unternehmen. Wenn Mitarbeitende professionell auf ihre Arbeit und den konkreten Einsatz vorbereitet werden, sei es durch eine kurze Schulung zur Sicherheit, Sprache oder Maschinenbedienung oder auch eine etwas länger laufende vorgeschaltete Qualifizierungsmaßnahme, erhöht das unmittelbar die Einsatzfähigkeit. Entscheidend ist, den Menschen und den konkreten Einsatz gemeinsam in den Blick zu nehmen und mit kleinen, umsetzbaren Maßnahmen zu starten.
Der VBPE möchte das Thema Personalentwicklung für die Mitgliedsunternehmen greifbarer machen. Welche Unterstützung können Mitglieder aktuell nutzen – und was ist in Zukunft geplant?
Dr. Christoph Kahlenberg: Bereits jetzt stehen erste Inhalte zur Verfügung, die einen fundierten Einstieg in das Thema ermöglichen. Dazu gehören drei Seiten zur Personalentwicklung auf der Website des GVP, die einen Überblick über Grundlagen, das Geschäftsfeld und Praxisansätze geben. Ergänzend finden sich Informationen zu Fördermöglichkeiten – über die Bundesagentur für Arbeit – sowie zur Teilqualifizierung als ein konkretes Instrument.
Darüber hinaus bietet der GVP bereits Seminare an, die zentrale Aspekte der Personalentwicklung praxisnah aufgreifen – etwa zur coachenden Rolle im Alltag, zur Beratung von Kunden oder zur Entwicklung von Führungskompetenzen.
Ich möchte aber auch dazu ermutigen, aktiv auf die Unternehmen zuzugehen, die bereits Erfahrungen im Bereich der Personalentwicklung gemacht haben und die die aufgezeigten Möglichkeiten zum Teil schon seit vielen Jahren nutzen. Der unmittelbare Erfahrungsaustausch untereinander ist hier ganz wichtig und gerade am Anfang vielleicht sogar wichtiger als nur darüber zu lesen.
Ziel ist es in jedem Fall, den Mitgliedsunternehmen eine erste Orientierung zu bieten und den Einstieg so niederschwellig wie möglich zu gestalten. Gleichzeitig wird das Angebot des GVP schrittweise ausgebaut. Geplant sind unter anderem Best-Practice-Beispiele aus der Branche sowie Leitfäden, die konkrete Umsetzungswege aufzeigen. Perspektivisch soll zudem eine FAQ-Seite entstehen, die zentrale Fragen rund um das Thema Personalentwicklung kompakt beantwortet.
Warum ist es aus Ihrer Sicht gerade jetzt wichtig, sich mit Personalentwicklung zu beschäftigen?
Dr. Christoph Kahlenberg: Personalentwicklung ist ein zentraler Hebel für die Zukunftsfähigkeit unserer Branche – sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich – und eröffnet zugleich ein vielversprechendes Geschäftsfeld für Personaldienstleister. Unternehmen, die heute damit beginnen, ihre Mitarbeitenden gezielt zu entwickeln, sichern sich langfristig entscheidende Wettbewerbsvorteile. Denn: In einem sich immer schneller verändernden Arbeitsmarkt stellt Personalentwicklung unsere Zukunft sicher – die Zukunft unserer Kundenunternehmen, die unserer Beschäftigten und damit auch unserer gesamten Branche.
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