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Tobias Hintersatz Verbandskommunikation
Tobias Hintersatz ist beim GVP im Fachbereich Kommunikation tätig und widmet sich dort schwerpunktmäßig den Bereichen Pressearbeit, Redaktion und Social Media. Der studierte Politologe und Kommunikationswissenschaftler ist seit 2018 beim Vorgängerverband BAP und nun beim GVP beschäftigt. Zuvor war er u.a. in einem Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft sowie einem Architektenverband für die Kommunikation verantwortlich.
Telefon: +49 30 206098-5216E-Mail
Zeitarbeit als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung
Zum Auftakt der Veranstaltung zeichnete GVP-Präsident Christian Baumann ein differenziertes Bild der aktuellen Lage. Die Entwicklung der Zeitarbeit sei traditionell ein wichtiger Gradmesser für die wirtschaftliche Verfassung Deutschlands.
Zwischen November 2017 und März 2026 sei die Zahl der Zeitarbeitskräfte um rund 40 Prozent zurückgegangen – ein deutlicher Ausdruck der langanhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase. Gleichzeitig verwies Baumann auf erste positive Signale: Im März 2026 sei die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeit erstmals seit langer Zeit wieder leicht gestiegen.
Für die Branche sei dies mehr als eine statistische Randnotiz. Nach Jahren des Rückgangs könne darin ein erster Hinweis darauf liegen, dass sich die wirtschaftliche Lage langsam stabilisiert.
Dennoch bleibe die Ausgangslage anspruchsvoll. Während die deutsche Wirtschaft zwischen 2017 und 2025 lediglich um rund ein Prozent gewachsen sei, habe der Durchschnitt der Europäischen Union im gleichen Zeitraum bei elf Prozent gelegen. Als wesentliche Ursachen nannte Baumann den demografischen Wandel, eine im internationalen Vergleich geringe Arbeitszeit sowie eine stagnierende beziehungsweise zuletzt sogar rückläufige Arbeitsproduktivität.
KI verändert den Arbeitsmarkt grundlegend
Trotz der aktuellen Herausforderungen richtete sich der Blick immer wieder auf die Chancen des Wandels. Besonders die zunehmende Verbreitung von Künstlicher Intelligenz wurde von vielen Rednerinnen und Rednern als zentrale Entwicklung der kommenden Jahre eingeordnet.
Christian Baumann sieht darin einen wesentlichen Treiber für eine höhere Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Zwar werde KI bestehende Tätigkeiten verändern oder teilweise ersetzen, gleichzeitig entstünden jedoch zahlreiche neue Berufsbilder und Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Personaldienstleister könnten, so Baumann, „zu den Gewinnern eines KI-getriebenen Arbeitsmarktes gehören, vorausgesetzt, die deutsche Wirtschaft bleibt innovativ und die Politik schafft die richtigen Rahmenbedingungen".
Gerade in dieser Phase wachsender Arbeitsplatzmobilität könnten Personaldienstleister zu wichtigen Wegbegleitern werden. Sie verfügen über die Erfahrung, Menschen bei beruflichen Übergängen zu unterstützen, Qualifizierungsbedarfe zu erkennen und Unternehmen mit den passenden Fachkräften zusammenzubringen.
Auch Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, unterstrich in einem Video-Grußwort für den von der TV-Journalistin Christiane Stein moderierten Tag der Personaldienstleister die Bedeutung der Branche. „Auf die Personaldienstleister haben wir uns stets als Partner verlassen können. Sie haben uns immer wieder geholfen, sei es beim sozialen Arbeitsmarkt oder bei der Integration von Geflüchteten.“
Deutschland braucht mehr Produktivität und weniger Bürokratie
Für wirtschaftspolitische Impulse sorgte Journalist und The-Pioneer-Herausgeber Gabor Steingart. In seiner Keynote „Deutschland und die Welt im Stresstest – unbequeme Wahrheiten über Wirtschaft und Politik" warb er für einen genaueren Blick auf die wirtschaftliche Situation Deutschlands.
Trotz der anhaltenden Wachstumsschwäche gehöre Deutschland weiterhin zu den größten Volkswirtschaften der Welt. Die aktuelle Situation dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass grundlegende Reformen notwendig seien.
Als entscheidenden Hebel identifizierte Steingart die Produktivität. Deutschland müsse sich stärker an erfolgreichen internationalen Beispielen orientieren und die Rahmenbedingungen für Innovation, Investitionen und unternehmerisches Handeln verbessern.
Kritisch äußerte er sich zudem zur zunehmenden Bürokratisierung und Regulierung. Gerade die Personaldienstleistungsbranche sei in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl zusätzlicher Vorgaben konfrontiert worden. Umso wichtiger sei es, den wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf weiterhin deutlich zu adressieren.
Arbeitsmarktexperten sehen historischen Strukturwandel
Im anschließenden Arbeitsmarktdialog diskutierten Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Stefan Körzell vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Christina Puello vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), Prof. Dr. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie GVP-Präsident Christian Baumann über die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes.
Dabei wurde deutlich, dass die Herausforderungen groß sind. Kampeter verwies auf den anhaltenden Verlust industrieller Arbeitsplätze und machte insbesondere hohe Bürokratie-, Energie- sowie Arbeitskosten dafür verantwortlich. Gleichzeitig warb er für mehr Flexibilität und lebenslanges Lernen.
Auch Stefan Körzell betonte, dass sich der industrielle Strukturwandel nicht kurzfristig aufhalten lasse. Entscheidend sei deshalb, die Transformation aktiv zu gestalten und Beschäftigte bei diesem Wandel mitzunehmen.
Wie tiefgreifend die Veränderungen bereits heute sind, verdeutlichte Prof. Dr. Enzo Weber. Monatlich gingen derzeit rund 15.000 Industriearbeitsplätze verloren, während gleichzeitig zu wenige neue Stellen entstünden. Besonders schwierig sei die Situation für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, deren Einstiegschancen sich zuletzt deutlich verschlechtert hätten.
Christina Puello sprach in diesem Zusammenhang vom "größten Wandel des deutschen Arbeitsmarktes seit dem Zweiten Weltkrieg". Durch generative KI würden sich mehr als die Hälfte aller Tätigkeiten verändern. Personaldienstleistern komme dabei eine Schlüsselrolle zu, weil sie Menschen flexibel in Beschäftigung integrieren und bei beruflichen Neuorientierungen begleiten.
Personal wird zum Erfolgsfaktor für Wirtschaft und Gesellschaft
Dass die Bedeutung von Personal weit über klassische Arbeitsmarktfragen hinausgeht, zeigten die abschließenden Impulse aus Politik und Bundeswehr.
Generaloberstabsarzt Dr. Nicole Schilling, Stellvertreterin des Generalinspekteurs im Bundesministerium der Verteidigung, erläuterte die wachsende Bedeutung flexibler Personallösungen für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Die Bundeswehr benötige zunehmend Personal für zeitlich begrenzte Einsätze und Aufgaben. Die Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern könne dabei neue Möglichkeiten eröffnen.
Anschließend stellte Gitta Connemann MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, die Bedeutung qualifizierter Beschäftigter für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland heraus.
Personaldienstleister seien dabei weit mehr als reine Vermittler. Sie eröffneten Menschen Chancen auf Beschäftigung, unterstützten Unternehmen bei der Fachkräftesicherung und hätten sich über Jahre hinweg zu ausgewiesenen Expertinnen und Experten für die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte entwickelt.
Den Ausklang des intensiven Kongresstages setzte Dietmar Wischmeyer, bekannt aus der "heute- show" mit einem humoristischen Impuls, in dem er auf die Perspektive der Personaldienstleister und den menschlichen Faktor einging.
Fotos: GVP/Regina Sablotny, Tobias Rücker
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