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Suzana Rakun Gesamtverband der Personaldienstleister e.V. (GVP) stv. Leiterin Fachbereich Bildung | Personalentwicklung
Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften und Japanologie sowie einem studienbegleitenden Auslandsjahr in Japan arbeitete sie unter anderem bei der Berliner Krebsgesellschaft e.V. und der Stiftung kulturserver.de.Seit 2018 gehört sie dem Verband an und hat dort verschiedene Themen und Projekte im Bildungsbereich bearbeitet. Heute ist sie stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Bildung und begleitet insbesondere den Aufbau und die strategische Weiterentwicklung des Verbandsbereichs Personalentwicklung.
Telefon: +49 30 206098-5614E-Mail
Der auf den Flughafen- und Tourismusbereich spezialisierte Personaldienstleister setzt dabei bewusst auf kurze, praxisnahe Qualifizierungen, die gemeinsam mit Kundenunternehmen und Bildungspartnern entwickelt werden.
Im Interview erklärt Steffen Thomas, wie dieser Ansatz funktioniert, warum davon Mitarbeitende, Kundenunternehmen und Personaldienstleister gleichermaßen profitieren – und weshalb manchmal schon wenige Tage den entscheidenden Unterschied machen können.
Herr Thomas, viele verbinden Personalentwicklung mit längeren Weiterbildungen oder umfangreichen Qualifizierungsprogrammen. Sie gehen bei FraScout bewusst einen anderen Weg. Was steckt dahinter?
Steffen Thomas: Wir sind auf den Flughafenbereich spezialisiert und unterstützen Kundenunternehmen insbesondere in der Passagierbetreuung sowie in der Dokumentenkontrolle. Dabei haben wir festgestellt, dass viele Bewerbende zwar die passenden Sprachkenntnisse, eine hohe Serviceorientierung und großes Potenzial mitbringen, aber keine spezifische Flughafenerfahrung besitzen.
Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren Kunden nach Lösungen gesucht. Uns wurde schnell klar: Häufig fehlt es nicht an geeigneten Menschen, sondern an einzelnen Kenntnissen oder Erfahrungen, die sich gezielt vermitteln lassen. Statt ausschließlich nach bereits fertig qualifizierten Mitarbeitenden zu suchen, qualifizieren wir Menschen gezielt für die jeweilige Tätigkeit.
Oft reichen dafür bereits wenige Tage. Die Mitarbeitenden lernen die wichtigsten Abläufe kennen, erhalten einen Überblick über den Flughafen oder die jeweiligen Anforderungen und können anschließend direkt eingesetzt werden. Manchmal reichen wenige Tage, um neue Perspektiven zu schaffen. Genau das erleben wir in der Praxis immer wieder.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie eine solche Kurzqualifizierung in der Praxis aussieht?
Steffen Thomas: Ein gutes Beispiel ist die Passagierbetreuung am Flughafen. Gemeinsam mit unserem Kunden führen wir eine zweitägige Schulung durch. Dabei lernen die Teilnehmenden die wichtigsten Abläufe kennen, erhalten einen Flughafenrundgang und werden auf typische Fragen von Passagieren vorbereitet. Am Ende steht ein kleiner Wissenstest.
Ähnlich funktioniert es in der Dokumentenkontrolle. Dort lernen die Mitarbeitenden beispielsweise, wie Pässe und Visa geprüft werden und worauf bei internationalen Einreisebestimmungen zu achten ist.
Ein weiteres Beispiel stammt aus dem technischen Bereich: Für Elektriker organisierten wir gemeinsam mit einem Kunden eine zweitägige Qualifizierung zur Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Geräte nach DGUV Vorschrift 3. Die Mitarbeitenden hatten die Inhalte zwar bereits in ihrer Ausbildung kennengelernt, diese aber später kaum noch praktisch angewendet. Durch die Auffrischung konnten sie die vom Kunden geforderte Qualifikation nachweisen und anschließend direkt eingesetzt werden.
Wie organisieren Sie solche Qualifizierungen bei FraScout – und was schätzen Ihre Kundenunternehmen an diesem Ansatz?
Steffen Thomas: Wir haben keine eigene Akademie und entwickeln die Qualifizierungen auch nicht allein. Stattdessen arbeiten wir eng mit unseren Kundenunternehmen und externen Partnern zusammen.
Im Flughafenbereich bieten viele Kunden selbst Schulungen an. Sie stellen Trainer, Inhalte und häufig auch die Räumlichkeiten zur Verfügung. Gemeinsam überlegen wir, welche Kenntnisse für den Einsatz benötigt werden und wie sich diese in einer kurzen Qualifizierung vermitteln lassen.
Ergänzend arbeiten wir mit externen Bildungspartnern wie dem TÜV zusammen. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich mit einem guten Netzwerk oft passgenaue und wirtschaftliche Lösungen finden lassen.
Unsere Kunden schätzen vor allem, dass die Mitarbeitenden gezielt auf ihre Anforderungen vorbereitet werden. Sie lernen die zukünftigen Mitarbeitenden bereits während der Qualifizierung kennen und profitieren davon, dass die Mitarbeitenden anschließend direkt eingesetzt werden können.
Wer sind die Menschen, die zu Ihnen kommen – und wie reagieren sie auf die Qualifizierungsangebote?
Steffen Thomas: Zu uns kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Besonders häufig bewerben sich junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. Gleichzeitig arbeiten bei uns viele Mitarbeitende, die bereits über 45 Jahre alt sind – unser ältester Mitarbeiter ist sogar über 70. Das hängt auch mit den Arbeitszeiten zusammen. Im Flughafenbereich wird viel im Schichtdienst gearbeitet. Für viele junge Menschen am Beginn ihres Berufslebens ist das gut vereinbar. Gleichzeitig bietet es Chancen für Menschen, deren Kinder bereits erwachsen sind oder die sich beruflich noch einmal neu orientieren möchten.
Gerade bei diesen Gruppen erleben wir häufig, dass nicht alle Voraussetzungen bereits vorhanden sind. Jüngeren Bewerbenden fehlt manchmal noch die notwendige Erfahrung, während andere nach längerer Zeit in einen Beruf zurückkehren oder bewusst einen neuen Weg einschlagen möchten.
Deshalb schauen wir nicht nur auf den Lebenslauf. Manchmal besteht eine Bewerbung nur aus wenigen Zeilen. Trotzdem lohnt es sich, die Menschen kennenzulernen. Im persönlichen Gespräch zeigt sich oft, welche Sprachkenntnisse, Erfahrungen oder persönlichen Stärken vorhanden sind, die aus den Unterlagen gar nicht ersichtlich waren.
Die Qualifizierungsangebote werden deshalb sehr positiv aufgenommen. Sie geben Sicherheit, bereiten gezielt auf die spätere Tätigkeit vor und erleichtern den Einstieg. Viele Mitarbeitende empfinden diese Schulungen als eine wichtige Unterstützung, bevor sie ihren ersten Einsatz antreten.
Gleichzeitig erleben wir, dass sich diese Vorbereitung auch positiv auf die Verbindlichkeit auswirkt. Die Teilnehmenden lernen das Unternehmen, die Aufgaben und die Erwartungen bereits vor dem eigentlichen Einsatz kennen. Dadurch wissen sie besser, worauf sie sich einlassen. Das spiegelt sich unter anderem in einer geringeren No-Show-Quote wider. Gerade bei kurzen Qualifizierungen erkennen die Teilnehmenden den direkten Nutzen für ihren späteren Einsatz und bleiben entsprechend engagiert dabei.
Welchen Mehrwert schaffen diese Qualifizierungen für die Mitarbeitenden, die Kundenunternehmen und für FraScout selbst?
Steffen Thomas: Für die Mitarbeitenden eröffnen sich durch die Qualifizierungen neue Einsatzmöglichkeiten. Oft fehlt nicht die grundsätzliche Eignung für eine Tätigkeit, sondern lediglich eine bestimmte Qualifikation oder ein spezielles Fachwissen. Diese Lücke lässt sich häufig in kurzer Zeit schließen. Gleichzeitig können sich dadurch auch bessere Verdienstmöglichkeiten ergeben, etwa wenn eine höher bewertete Tätigkeit übernommen werden kann.
Für die Kundenunternehmen liegt der Vorteil darin, dass die Mitarbeitenden gezielt auf ihre Anforderungen vorbereitet werden. Gleichzeitig lernen sie die Teilnehmenden bereits während der Qualifizierung kennen und können sich frühzeitig ein Bild von ihnen machen.
Für uns als Personaldienstleister zeigt sich der Mehrwert auch wirtschaftlich. Im Fall der Elektriker konnten wir durch die zusätzliche Qualifizierung sogar einen höheren Stundenverrechnungssatz erzielen. Das zeigt: Qualifizierung ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern kann einen konkreten Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.
Grundsätzlich erleben wir immer wieder, dass weniger der Personalmangel als vielmehr fehlende Qualifikationen die eigentliche Herausforderung darstellen. Genau hier setzen wir mit unseren Qualifizierungsangeboten an.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei – und was haben Sie daraus gelernt?
Steffen Thomas: Die größte Herausforderung besteht darin, gemeinsam mit den Kunden überhaupt zu erkennen, welche Qualifikationen tatsächlich benötigt werden. Oft wird erst im Gespräch deutlich, dass bestimmte Kenntnisse fehlen oder eine kurze Nachqualifizierung sinnvoll wäre.
Dabei geht es nicht nur darum, passende Qualifizierungen zu organisieren, sondern zunächst einmal die Qualifizierungslücken überhaupt zu identifizieren. Beim Beispiel der Elektriker wurde uns erst im Austausch mit dem Kunden bewusst, dass bestimmte Kenntnisse zwar Teil der Ausbildung waren, in der Praxis aber lange nicht mehr angewendet wurden.
Wir haben daraus gelernt, offen mit unseren Kunden zu sprechen und gezielt nachzufragen: Was können wir tun, damit die Mitarbeitenden noch besser auf ihre Aufgaben vorbereitet sind?
Genau aus diesen Gesprächen entstehen häufig die besten Ideen. Oft zeigt sich dabei, dass nicht die Person fehlt, sondern lediglich eine Qualifikation, die sich mit überschaubarem Aufwand vermitteln lässt.
Was würden Sie Personaldienstleistern raten, die Personalentwicklung stärker in ihren Alltag integrieren möchten?
Steffen Thomas: Mein Rat ist, den Austausch mit den Kunden zu suchen. Oft fehlen keine grundsätzlichen Fachkräfte, sondern einzelne Qualifikationen. Viele dieser Lücken lassen sich mit überschaubarem Aufwand schließen.
Man muss dafür keine eigene Akademie aufbauen oder ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm entwickeln. Wichtig ist, gemeinsam mit Kundenunternehmen und Bildungspartnern nach pragmatischen Lösungen zu suchen und bei konkreten Bedarfen anzusetzen.
Wer Personalentwicklung in seinen Alltag integrieren möchte, sollte klein anfangen. Schon eine kurze Qualifizierung kann dazu beitragen, Potenziale besser zu nutzen, neue Einsatzmöglichkeiten zu schaffen und Kunden langfristig zu unterstützen. Oft entstehen die besten Ansätze nicht am Reißbrett, sondern im Gespräch mit dem Kunden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Personalentwicklung in unserer Branche?
Steffen Thomas: Ich würde mir wünschen, dass kurzfristige Qualifizierungen stärker in den Fokus rücken. Teilqualifizierungen und größere Weiterbildungsprogramme sind wichtig und haben ihren festen Platz. Gleichzeitig gibt es viele Situationen, in denen bereits wenige Tage Schulung einen echten Mehrwert schaffen können.
Ob im Flughafenbereich, in der Logistik, im Hotelwesen oder im Handel: In vielen Branchen lassen sich Menschen gezielt auf konkrete Aufgaben vorbereiten und neue Einsatzmöglichkeiten eröffnen. Dieses Potenzial wird aus meiner Sicht noch nicht überall ausreichend genutzt.
Deshalb wünsche ich mir, dass wir uns als Branche noch stärker darüber austauschen, welche Ansätze funktionieren, voneinander lernen und gute Beispiele sichtbar machen. Denn Personalentwicklung muss nicht immer groß beginnen – oft entsteht sie aus einer konkreten Herausforderung und einer pragmatischen Lösung.
Hintergrund:
Das GVP-Mitgliedsunternehmen FraScout GmbH mit Sitz in Offenbach am Main ist seit 2023 als Personaldienstleister tätig und beschäftigt heute mehr als 160 externe sowie sechs interne Mitarbeitende. Das Unternehmen ist auf den Flughafen- und Tourismusbereich spezialisiert und unterstützt Kundenunternehmen insbesondere in der Passagierbetreuung, im Check-in sowie in der Dokumentenkontrolle.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf kurzen, praxisnahen Qualifizierungen, die gemeinsam mit Kundenunternehmen und externen Bildungspartnern entwickelt und umgesetzt werden. Dabei steht nicht die Qualifizierung „auf Vorrat“ im Mittelpunkt, sondern die gezielte Vorbereitung auf konkrete Anforderungen im Einsatz. Nach Auffassung von FraScout lassen sich viele Qualifikationslücken bereits mit überschaubarem Aufwand schließen – und damit neue Einsatzmöglichkeiten für Mitarbeitende schaffen.
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