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15.06.2026
Über den Autor
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Tobias Hintersatz Verbandskommunikation

Tobias Hintersatz ist beim GVP im Fachbereich Kommunikation tätig und widmet sich dort schwerpunktmäßig den Bereichen Pressearbeit, Redaktion und Social Media. Der studierte Politologe und Kommunikationswissenschaftler ist seit 2018 beim Vorgängerverband BAP und nun beim GVP beschäftigt. Zuvor war er u.a. in einem Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft sowie einem Architektenverband für die Kommunikation verantwortlich.    

Telefon: +49 30 206098-5216
E-Mail

Krisenmanagement in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten: Marina Schneider gibt entscheidende Tipps im Online-Seminar

Personaldienstleister stehen immer wieder vor der Herausforderung, mit einem Stellenabbau bei Kundenbetrieben sowie im eigenen Unternehmen geschickt umzugehen, Krisenmanagement zu betreiben und Kündigungsschutzklagen abzuwenden. In ihrem Online-Seminar „Krisenmanagement in schwierigen Zeiten – betriebsbedingte Kündigungen praxisnah umsetzen“ erläutert Expertin Marina Schneider am 23. Juli, worauf es dabei ankommt und wirft im Interview vorab einen thematischen Ausblick.

Was verstehen Sie unter Krisenmanagement – und ab wann sollten Unternehmen beginnen, sich systematisch damit zu beschäftigen?

Marina Schneider: Krisenmanagement bedeutet für mich, wirtschaftliche Risiken nicht erst dann anzugehen, wenn die Krise bereits eskaliert ist. Es geht darum, frühzeitig zu erkennen, wo sich Auslastung, Liquidität, Projektlage oder Personalstruktur kritisch entwickeln, und daraus rechtzeitig konkrete Handlungsoptionen abzuleiten. Gerade in der Personaldienstleistung können Veränderungen sehr schnell spürbar werden, etwa wenn Projekte auslaufen, Kunden Budgets reduzieren oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr fakturierbar eingesetzt werden können. Unternehmen sollten sich deshalb nicht erst bei akuter Insolvenzgefahr systematisch mit Krisenmanagement beschäftigen, sondern sobald belastbare Frühwarnsignale erkennbar sind. Dazu gehören sinkende Auslastungsquoten, steigende unproduktive Zeiten, rückläufige Auftragseingänge oder dauerhaft negative Ergebnisentwicklungen. Wer früh strukturiert analysiert, dokumentiert und gegensteuert, hat deutlich mehr Handlungsspielraum – rechtlich, wirtschaftlich und kommunikativ.

Sie beraten Unternehmen regelmäßig in heiklen Restrukturierungssituationen. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Stolpersteine bei betriebsbedingten Kündigungen und wie können Fach- und Führungskräfte der Personaldienstleistungsbranche Kündigungsschutzklagen von Beginn an vermeiden?

Marina Schneider: Der zentrale Irrtum vieler Unternehmen ist, zu glauben, eine wirtschaftlich schwierige Lage allein rechtfertige eine Kündigung. Arbeitsgerichte prüfen nicht, ob es dem Unternehmen schlecht geht, sondern ob der konkrete Arbeitsplatz dauerhaft weggefallen ist. Gerade in der Personaldienstleistung ist das entscheidend, weil Beschäftigung projektbezogen erfolgt und theoretisch immer neue Einsatzmöglichkeiten denkbar sind. Die größten Stolpersteine liegen deshalb meist in der fehlenden Dokumentation: Wurden wirklich alle Einsatzmöglichkeiten geprüft? Wurden Qualifikationen realistisch bewertet? Wurde sauber festgehalten, warum gerade dieser Arbeitsplatz entfällt? Wenn diese Fragen nicht nachvollziehbar beantwortet werden können, wird eine Kündigung angreifbar. Kündigungsschutzklagen lassen sich am ehesten vermeiden, wenn Unternehmen frühzeitig strukturiert vorgehen: klare Analyse, dokumentierte Alternativprüfung, transparente Kommunikation und konsistente Entscheidungslinien. Gute Vorbereitung ist hier der wichtigste Risikoschutz.

In ihrem Online-Seminar verdeutlichen sie anhand realer Fallbeispiele, wie Personaldienstleister Handlungsspielräume nutzen können, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Welche Praxisstrategien haben sich in wirtschaftlich angespannten Phasen bewährt, damit sowohl wirtschaftliche Stabilität als auch tragfähige Arbeitsbeziehungen im Unternehmen möglichst erhalten bleiben?

Marina Schneider: Erfolgreiche Unternehmen setzen in Krisen selten auf ein einzelnes Instrument. In der Praxis zeigt sich, dass ein gestuftes Vorgehen am wirksamsten ist: zunächst Stabilisierung konsequente Kostenkontrolle, parallel aktive Projekt- und Kundenentwicklung sowie Qualifizierungsmaßnahmen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter flexibler einsetzbar zu machen. Erst wenn sich zeigt, dass bestimmte Geschäftsbereiche dauerhaft keine Perspektive mehr haben, folgen strukturelle Anpassungen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei nicht nur die rechtliche Umsetzung, sondern die Glaubwürdigkeit der Strategie. Beschäftigte akzeptieren schwierige Maßnahmen deutlich eher, wenn sie nachvollziehbar, konsistent und transparent kommuniziert werden. Gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen zeigt sich: Rechtssicherheit allein reicht nicht - Führung, Kommunikation und klare Entscheidungsstrukturen sind genauso entscheidend für den Unternehmenserfolg.

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